Wie ich mir durch Job-Testings mein ideales Arbeitsleben baute

von | 04.08.2022 | Blogs | 1 Kommentar

Als ich 16 Jahre alt war ergatterte ich einen von zwei Ausbildungsplätzen bei Siemens und stach dabei 450 Bewerber aus. Mein Schicksal schien besiegelt, so etwas Gutes gibt man nie mehr auf. So begann meine Karriere in einem Weltkonzern in dem ich bis heute, 20 Jahre später, immernoch Tag ein Tag aus meine Arbeit HÄTTE verrichten können. Für mich war damals schon klar, dass dies nicht meine Berufung ist und zum Glück scheue ich keine Veränderungen.

 

Mein Lebenslauf hatte im Außen keinen roten Faden

Der Weg, den ich stattdessen einschlug, stiess auf totales Unverständnis in meinem damaligen, eher traditionellen, Umfeld. Mein Lebenslauf ist seit der Kündigung im Jahr 2007 das Gegenteil eines roten Fadens. Bei meiner Karriereplanung hörte ich immer auf meine Intuition und probierte viel aus. Das war für damals aber unüblich. Heute weiß ich, dass es den Term “Job-Testing” gibt und ich mir dadurch mein ideales Arbeitsleben selbst erschaffen kann. 

 

Viele suchen den Traumjob ohne zu wissen wie er aussieht

Viele von uns möchten einer Arbeit nachgehen, die einen erfüllt und bestenfalls zeitlich und örtlich flexibel ist. 

Doch wir haben keine Ahnung wie dieses Wunschszenario genau aussieht bzw sich anfühlt. Wir können unseren Traumjob nicht einfach so benennen, denn es ist kein Jobtitel sondern ein Zusammenspiel an vielen Faktoren.

 Was fällt uns leicht, was nicht, welchen Arbeitsrahmen brauchen wir um uns entfalten zu können, bei welchem Themengebiet wird uns nie langweilig, was treibt uns tagtäglich für über 30 Jahre an morgens aufzustehen?

 

Erfüllung beinhaltet mehr als eine fachliche Komponente

Wenn wir Erfüllung suchen und nach einer Arbeit streben, die wirklich zu uns passt, geht es weit mehr als um eine fachliche Ebene. 

Meiner Arbeit widme ich meine Lebenszeit, meine Energie, mein Wissen, meine Konzentration, meine Tatkraft. Wir sprechen bei beruflicher Erfüllung von Passion, Antrieb, Werten, intrinsischen Stärken, charakterlichen Eigenschaften, Bedürfnissen. 

 

Die meisten gehen die Jobsuche nach dem klassischen Weg an

Die meisten gehen bei der Jobsuche den klassischen Weg:

Man geht man auf Stepstone & Co und filtert nach Jobtiteln wie  Marketing Manager, Produkt Owner, Innovation Manager, bewirbt sich auf Stellen, die sich anhand der Beschreibung mega toll anhören, nimmt an Vorstellungsgesprächen teil und muss womöglich direkt nach ein oder zwei kurzen Gesprächen entscheiden ob man diese Stelle annimmt. (Und dafür committe ich mich die nächsten Jahre und soll direkt happy sein?) 

 

Ohne etwas auszuprobieren weißt du nicht was wirklich zu dir passt

Die meisten haben noch nie wirklich viel ausprobiert. Ein Praktika im Studium zählt nicht. Dh es fehlt ja an der Vorstellungskraft wie sich der Traumjob mitsamt Passion und Antrieb wirklich anfühlt.

Glaubenssätze wie “Quereinstieg nicht möglich” oder “Ich brauche Zertifikat XY um Stelle XY zu bekommen.” verwehren einen viele Möglichkeiten.

Stattdessen wurden viele Glaubenssätze verankert wie “Quereinstieg nicht möglich” oder “Ich brauche Zertifikat XY um Stelle XY zu bekommen.”

 

Sich gut kennen ist das A und O für Erfüllung

Um wirklich herauszufinden, welcher Job bzw größer gedacht, welches Arbeitsleben mit allen Facetten zu mir passt, muss ich mich gut kennen und wissen was ich mag, kann und brauche.

 Und all dem kommen wir nur näher in dem wir praktische Erfahrungen sammeln – und zwar durch Dinge bzw Jobs testen. 

 

Jobportale durchscrollen war gestern

Der Ansatz von Job & Life Designen, bei dem das Job-Testen ein wichtiger Teil ist um ans Ziel zu kommen,  ist eine moderne Art und Weise an die Jobsuche. Das Wort Jobsuche ist an der Stelle falsch, denn es geht darum sein Arbeitsleben aktiv mitzugestalten und nicht darum einen Job zu suchen. 

Eine Jobsuche hat zur Folge dass ich auf das reagieren was da ist. Ich bin also in der passiven Rolle.

Wie sollen wir denn wissen was zu uns passt wenn wir immer nur innerhalb der Komfortzone und im Autopilot leben und arbeiten?

Wie sollen wir denn wissen was zu uns passt wenn wir immer nur innerhalb der Komfortzone und im Autopilot leben und arbeiten? Dabei lerne ich nie mein wahres Potenzial kennen und verwehre mir Möglichkeiten. Ich baue mir dadurch meine eigene Grenzen.

 

Job & Life Design ist Karriereplanung von heute 

Job & Life Designen dagegen ist aktives kreieren, erkennen wo es Bedarf gibt und wo ich gut eingesetzt bin. Ich bin dabei der Kapitän von meinem Work-Life Schiff und steuere es bewusst durch das Fahrwasser von einem Hafen zum Nächsten.

Das Ziel beim Job & Life designen ist NICHT ankommen. Das Ziel ist fortlaufend lernen.

Das Ziel ist nicht dass ich wo ankomme und ich mich zur Ruhe setze aka den einen Traumjob finde und den nun bis zur Rente ausführe. Das Ziel ist fortlaufend neue Möglichkeiten wahrnehmen, lebenslang lernen und sich entwickeln. Denn der Mensch selbst, unser Umfeld und der Arbeitsmarkt verändern sich stetig.

 

Auf dem Weg des Ausprobierens kommt das Urvertrauen in sich selbst zurück, da man Dinge aktiv gemeistert hat. So entsteht die Selbstwirksamkeit. Man hat nicht mehr so viel Angst über Änderungen im Außen wie z.B. dass die Firma pleite geht und switched von einem fremdbestimmten zu einem selbstbestimmten Leben.


Wenn wir diese dann mal aktiv angegangen sind, gleichen wir ab was sich stimmig anfühlt, was nicht und lernen zu verstehen warum sie passen oder nicht passen. Mit diesen Erkenntnissen formt sich nach und nach ein (wahres und kein zusammengesponnenes) Bild und ich werde mir meiner selbst immer mehr bewusst. Dabei entwickle ich Mut und Selbstvertrauen, was ich wiederum nutze um wieder neue Dinge auszuprobieren. 

Das aktive Austesten wird normaler Teil des Alltags und der Gestaltung des eigenen Lebens.

Jetzt teile ich gerne alle meine Job-Testings mit euch.

Mein Lebenslauf im Kurzzusammenfassung:

1999: Ausbildung Kauffrau für Bürokommunikation I 2001 bis 2017: Angestellt in diversen Firmen (Konzern, Mittelstand, Agentur) im Bereich Assistenz, Kommunikations- und Marketingmanager, Zwischendurch 2009 ein Abstecher ins Freelancer-Tum I Seit 2018: Einzelunternehmerin als Gründerin und Consultant

 

Ich habe eine hohe Intuition und im Nachhinein festgestellt, dass ich den Test-Ansatz bereits mein Leben lang angewendet hatte, ohne einen Namen dafür zu haben. Jedoch habe ich die Dinge, die ich tat weniger bewusst gemacht so wie ich sie heute tue.

 

Meine Job-Testings, die Erkenntnisse und Learnings daraus 

 

  • 2006: 6 Monate Work & Travel in Australien
    • Test: 6 Monate Freiheit, Abenteuer, Unabhängigkeit & eigenständigen planen
    • Erkenntnis: Bestätigung dass diese Werte zu mir passen, da ich mich LEBENDIG gefühlt habe
    • Learnings: Ich konnte meine natürlichen Stärken nutzen wie netzwerken, Kontakte knüpfen, einfach mal machen und bin dadurch “irgendwie” an Jobs kommen. Ich erhielt eine Art Urvertrauen in mich, da ich vor richtigen Herausforderungen stand und diese aus eigener Kraft gemeistert habe. Das hat mich bis heute positiv geprägt.

 

  • 2008: Junior PR-Manager
    • Test: Agentur Umfeld und “cooles” Agentur-Leben von Innen erleben
    • Erkenntnis: Der Arbeitsalltag ist ganz anders als ich dachte und gar nicht “cool”
    • Learnings: Texten und PR-Arbeit, detailorientiertes Arbeiten passt nicht zu mir, mit einem cholerischen Chef kann ich nichts richtig machen, ich brauch mehr Entfaltungsspielraum, die Firma ist zu klein und ich brauche eine Firma mit mehr Marketingbudget

 

  • 2009: Voluntär Start-Up Community App
    • Test: Agentur Umfeld, Wissen aneignen Online-Marketing & Community Management
    • Erkenntnis: Hat Spass gemacht, mag Team-Arbeit und Austausch
    • Learnings: Viele neue Tools, Marketing Expertise verschärft 

 

  • 2010: Freelancing
    • Test: Akquise & Durchführung von kleinen Freelance Gigs
    • Erkenntnis: Es macht mir Spass an verschiedenen Themen zu arbeiten, ich betreibe Akquise durch Netzwerken, ich liebe es flexibel zu sein und selbstbestimmt zu arbeiten
    • Learnings: Ich habe viel über Preisgestaltung und pro-aktive Selbstvermarktung gelernt, ich habe “überlebt” trotz wenig Geld, ich mag Marketing an sich gern

 

  • 2015/2016: Volontärin Kinder-Ferien-Programm und Nachhilfeunterricht Englisch für minderbemittelte Jugendliche
    • Test: Soziale Arbeit in einem Kinderferiendorf in Costa Rica sowie Nachhilfelehrerin in München
    • Erkenntnis: Ich lernte dass soziale Arbeit nicht automatisch erfüllend ist
    • Learnings: Monetäre Entlohnung und Wertschätzung sind wichtig dass es sich für mich richtig anfühlt, trotz sinnvoller Arbeit

 

  • 2016: Design Thinking Workshop
    • Test: 2-tägiger Design Thinking Workshop in St. Gallen
    • Erkenntnis: Finde die Methode spannend
    • Learning: Design Thinking, Erste Idee dass die Methode doch auch anderweitig genutzt werden kann, als für Produktentwicklung

 

  • 2017: Hackathon Social Projects, Bali
    • Test: 2-Tages Hackathon arbeiten an einer Aufgabenstellung in einem Team mit Fremden
    • Erkenntnis: Ich liebe Teamwork und gehe darin auf dass alle an einem Strang ziehen, ich übernehme ungern die Leader-Rolle sondern bin lieber Teammitglied und das obwohl ich die Idee mitbrachte, bin Initiator & Motivator innerhalb einer Gruppe, ich mag klare Aufgabenbereiche und es erfüllt mich ein Ziel zu haben.
    • Learnings: Lerne Leader-Rolle durch andere, Aufbau Projekte, Kontakte geknüpft

 

  • 2017: Google Design Sprint
    • Test: Sprint Durchlauf Projektidee “Matching Digitale Nomaden mit sozialen Projekten”
    • Erkenntnis: Nochmalige Bestätigung dass ich Teamarbeit mag, bin sehr gut im initiieren und inspirieren
    • Learnings: Lernte die agile Methode Google Design Sprint besser kennen

 

  • 2017: Marketplace  oder digitale Plattform Digital Nomads mit sozialen Projekten
    • Test: Aufbau einer digitalen Plattform im 3er Team mit Programmierer, UX-Designer und ich
    • Erkenntnis: Ich lerne von Menschen mehr als durch lesen. Es zieht sich durch dass ich DInge initiiere und andere begeistere aber ungern in einer Projekt Leaderrolle bin, wärme mich für die Selbständigkeit ohne es aktiv zu forcieren
    • Learning: IT, UX und digitales Projekt 

 

  • 2017: Freelance-möglichkeiten durchgesponnen
    • Test: Dienstleistungs-Ideen entwickeln, IKIGAI
    • Erkenntnis: Es geht immer mehr in Richtung Selbständigkeit 
    • Learning: Ich überlegen welche Dienstleistung ich anbiete und zu Geld mache, wo liegen meine interessen, Stärken, Kompetenzen, wo ist Bedarf

 

Von der Idee zum Herzensbusiness

2017 gabs einen Durchbruch. Aber nicht in dem Sinne dass ich unbedingt eine Business Idee suchte und mit der vagen Form von Aha Retreats fand. Sondern unter der Perspektive, dass ich für mich anhand der Selbsterkenntnisse und dem Austesten mein ideales Arbeitsleben zusammenbaute und dabei den Bedarf an Neuorientierungs Unterstützung erkannte. Ich kündigte Dezember 2017 meine Festanstellung und begann wenige Tage später (ich wurde freigestellt) mein neues Leben.

Meine Geschichte „Von der Idee zum Herzensbusiness“ habe ich hier verfasst. 

 

  • 2018: Erstes Coaching Retreat mit Aha Retreats
    • Test: Host 3-Tages Workshop in einer Hütte mit 16 Test-Teilnehmern
    • Erkenntnis: Es hat mich energetisch ausgelaugt, ich wusste noch nicht was meine Rolle vor Ort ist, Aufgaben als Köchin, Mentorin, Steuerin des Events war zu stressig, hab zu wenig von den Teilnehmer-Stories mitbekommen 
    • Learning: Orga eines Retreats fällt mir total leicht und ist für mich keine Anstrengung, vor Ort host ist in der Form nicht meine Rolle, Gruppe mit 16 Leuten ist zu groß für mich da fehlt mir der Zugang

 

Als Gründerin warteten seitdem viele weitere Herausforderungen auf mich. Ich glaube ohne meine Lebenserfahrung die ich durch das viele echte Ausprobieren erhielt, hätten an vielen Tagen meine Zweifel gewonnen. Im Business wenden wir den Design Thinking Ansatz an, da es fast unmöglich ist etwas statisch aufzubauen. Es führt kein Weg daran vorbei einfach mal zu machen und es nächstes Mal optimieren. 

Meine Learnings als Neugünderin gibts hier nachzulesen oder zu hören. 

 

Riesen Umbruchphase, auf die ich durch die Tests vorbereitet war

Durch diese Job-Tests hab ich mein (Arbeits-) Leben komplett verändert. Von einem sicheren, gut bezahlten 9-to-5 Angestelltenjob in der Corporate Welt zur vollständig selbstbestimmten, örtlich und zeitlich flexiblen Selbständigkeit als Gründerin und Freelancerin. 

Mein ganzes Leben hat sich verändert, nicht nur der Job. 

Ich arbeite nun im Mix aus Homeoffice, Co-Working Büro, Cafes oder von schönen Plätzen wie Bali, Spanien oder Portugal. Somit habe ich mir auch nach und nach ein neues Netzwerk aufgebaut. Meine Zeit teile ich mir nach meinem Biorhythmus ein und nehme mir die Freiheit manchmal unter der Woche oder tagsüber frei zu nehmen.

Arbeit ist nicht mehr wann und wo ich es mache, sondern WAS ich mache.

Arbeit ist nicht mehr wann und wo ich es mache, sondern WAS ich mache. Es geht darum einen sinnvollen Output zu generieren. Ich möchte mich mit Themen beschäftigen die mich interessieren.

 

Scheitern wird zur Lern-Kultur

Job & Life Designen ist ein immerwährender Prozess. Auch heute noch optimiere ich fortlaufend meinen Arbeitsalltag und gleiche ab ob es mir nach wie vor gut dabei geht und ich auf dem richtigen Weg bin.

 

Ich strebe nicht mehr nach dem “Moment des Ankommens”, sondern fühle mich auf dem richtigen Weg. Wohlwissend dass ich täglich weiterlerne und mich persönlich weiter entwickle. Ich gehe weiterhin mit offenen Augen durch die Welt und probiere viele Dinge aus, die übrigens auch oft nicht funktionieren. Es gibt aber keinen besseren Weg für mich, als einfach mal zu machen. Und mit der Einstellung gibt’s kein scheitern, sondern nur ein lernen

 

 

 

1 Kommentar

  1. Janine

    Liebe Marion, diese E-Mail beschreibt so genau, wie ich mich fühle und kommt als Motivation und positive Bestärkung genau zur richtigen Zeit. Ich bin also eine Scannerin. Gut zu wissen und für die Zukunft positiv zu sehen und zu nutzen.

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